Mittwoch, 30. März 2016

Abschluss


Nach einer Nacht im uns schon bekannten Hotel mit Dachpool wurden wir in Singapore mit einem Kleinbus abgeholt. Zuerst ging’s im Alltagsstau durch die Stadt, dann durch den Grenzposten von Singapore und die Grenzwacht von Malaysia (beide überfüllt). Später konnten wir dann zufahren: Nach zwei Stunden entlang von endlosen Palmölplantagen, ohne Ortschaften und mit immer holpriger werdenden Strassen kamen wir an die Bootsanlegestelle. Dort empfingen uns die Schifffahrer der Resortcrew, wir packten unsere Rucksäcke in Abfallsäcke als Schutz gegen die Nässe und in rasanter Fahrt (nichts für schwache Rücken) ging es ca. 30 Minuten der Insel Sibu Besar entgegen.
Wir genossen den Strand und das unglaublich warme Meer, trotz gelegentlicher Quallen. Von ziemlich glatt bis hohe Wellen haben wir alles erlebt. Mir gefiel die Wärme am Tag mit der Brise vom Meer. In der Nacht hielt das Moskitonetz allerdings neben den Mücken auch die Brise ab, was uns nicht ganz so erholsam schlafen liess. Vom Resort aus fuhr ein Boot zum Schnorcheln. Einmal waren wir zu viert dort. Wir sahen viele verschiedene farbige Fische. Felix und Flurin schwammen rund ums Inselchen. Livio und ich sind nicht so die Mutigen… Und so versuchten Felix und Flurin auch am folgenden Tag ihr Glück. Es war aber etwas stürmisch, und die hohen Wellen wirbelten den Sand im Wasser auf, so dass sie leider keinen einzigen Fisch sehen konnten. Dafür waren die Verhältnisse fürs Wellenspringen, Wellentauchen (Livio) und Bodyboarden ideal.

Strand auf Pulau Sibu
Blick auf unsere Strandhütte
Aussicht von der Veranda
Die ersten zwei Tage: Kristallklares Wasser ...
... ideal zum Schnorcheln
Betätigung am Strand














Livio mit Kids Club-Kollegen
Am Abend assen alle Kinder zusammen zwei Stunden vor den Erwachsenen. Nach dem Essen spielten sie draussen und ab 19.30h sassen alle bis maximal 22h vor dem Fernseher (Disney Channel).  Am Tag gab es auch zwei Mal die Möglichkeit für Kinderunterhaltung. Vor allem Livio nahm rege teil, es war schliesslich das Osterwochenende und zur Krönung gabs sogar Schoggieili (oder das, was in der Hitze davon übrig blieb…)
Felix und ich wurden etwas träge: Morgenessen – Strand – Mittagessen – Strand – Abendessen – Schlafen… nach der aber doch recht abenteuerlichen Reise mit vielen Ortswechseln und anstrengenden Spaziergängen durch die Dschungelhitze, mit Um- und Neupacken, war das entspannte Erholung. Die Kinder hatten Zeit, an ihren Schulaufgaben weiter zu machen, konnten sich frei bewegen, auf Bäume klettern oder den Spielplatz nutzen, mit Palmblättern und mit anderen Kindern (ohne uns und ohne einander) spielen und ihr Englisch anwenden. Einmal mehr hatten wir Glück: Die stechenden Sandfliegen, vor denen wir so sehr gewarnt wurden, waren genau so häufig wie die Blutegel im Dschungel: Wir sahen keine einzige!

Nach vier Tagen hiess es das zweitletzte Mal packen. Für die Überfahrt zum Festland konnten wir nicht in unserer Bucht aufs Boot, die Wellen waren zu hoch. Wir liefen durch einen Dschungelweg auf die andere Seite der Insel, wo das Meer ganz glatt vor uns lag. Die Abfahrt verief also ruhig, ausserhalb der geschützen Bucht waren die Wellen ziemlich hoch. Zwischen Faszination und Respekt dünkte mich, dass unser Bootsfahrer mit den Wellen tanzte, das Meer und seine Bewegungen gut lesen konnte, mal einer Welle auswich, mal Gas gab um auf einer Welle bleiben zu können. Froh wieder an Land zu sein war ich trotzdem. Stau über die Grenzen hatten wir keinen, aber bei der Einreise nach Singapore haben sie uns sehr genau kontrolliert und ich war froh, dass ich nicht den ganzen Rucksack auspacken musste...

In Singapore haben wir den Regenwald-Zoo besucht, das musste nur schon wegen den Orang Utans sein, die zu sehen wir leider noch keine Gelegenheit hatten. Die Anreise war länger als erwartet und so war ein ganzer Tag gut ausgefüllt.
Einen weiteren Tag verbrachten wir mit Shopping in den angesagten Malls (ich habe noch nie solch riesige Einkaufszentren gesehen), aber auch mit einem letzten Streifzug im Little India-Quartier: Endlich konnte Livio seinen Schmuck-Elefanten kaufen, welchen er schon am ersten Tag hier (vor vier Wochen) uuuuuunbedingt haben wollte.
Am Schluss mussten wir auch noch etwas Gas geben mit zwei Schuleinheiten pro Tag, damit  wirklich alles erledigt ist... Gerade auch das Führen des Tagesbuchs der Kinder beanspruchte viel Zeit (immerhin konnte unterdessen jeweils am Blog geschrieben werden...).

Morgen Donnerstag ist nochmals warten am Flughafen angesagt. Auch wenn wir versuchen, möglicht spät aus dem Hotelzimmer auszuchecken: Wir werden bis nach Mitternacht, 01.20 Uhr, warten müssen. Vielleicht können wir dafür im Flugzeug besser schlafen. Mit 13 Stunden Flug wird auch noch genügend Zeit für die Board-Unterhaltung sein. Voraussichtlich landen wir am Freitagmorgen gegen 9 Uhr und freuen uns auf:

Lego, Playmobil, Brot, Karate, Werken, Handarbeit, i-Pad, eigenes Bett (Flurin)

Fifi, Brot, geschäumte Milch, Korbball, Tennis, Klavier, Schule, Europapark mit Gotti Rahel (Livio)

Brot, Joghurt, Lindt-Schokolade, Hygiene (Felix)

Brot, Äpfel, immer frische Kleider und eine grössere Auswahl zum Anziehen, keine Air-Condition mehr (Rahel)


Dienstag, 22. März 2016

Höhlen, Strand und Krokodile

Wieder in Miri haben wir alle als erstes ausgiebig geduscht! Im Hotel liessen wir die Wäsche waschen und im Ming-Café assen wir westliches Essen (Pizza, Pasta, Burger). Dort scheint man sich zu treffen - jedenfall haben wir eine malaysische Reisegruppe, die auch in Bario war, zufälligerweise wieder getroffen.

Für den Niah Caves Nationalpark heuerten wir einen Taxifahrer an. Er sollte uns eineinhalb Stunden hin fahren, dort warten und uns wieder zurück bringen. Die Strassen sind holprig, er fuhr rasant und hektisch, aber routiniert. Trotzdem brauchte man den Sicherheitsgurt mehr als bei jedem Flug... Er erklärte viel auf der Fahrt und am Ende seiner Wartezeit empfing er uns mit Litchi-Saft, Wasser, Gummibärchen und Zältli, er hielt an einem Stand, wo es die besten Kokosnüsse zu trinken gibt und wollte uns unbedingt am nächsten Tag dann zum Flughafen bringen.

Bevor wir uns auf den Weg zu den Höhlen machten, trafen wir Ben und Christina. Wir haben sie in Pa' Lungan kennen gelernt und später in Bario schon einmal wieder gesehen. Die Welt ist klein! Der Weg zu den Höhlen ging zuerst auf einem Boot über den Fluss (Achtung Krokodile), dann auf einem Holzsteg mitten durch den Dschungel. Die Baumriesen dort waren beeindruckend. Der Regenwald hier ist viel üppiger als wir ihn im Bako-Nationalpark oder in der Umgebung von Bario gesehen haben. Affen soll es hier auch geben, aber weniger zahme, dafür sahen wir Raupen, Riesenameisen (kinderdaumengross), Spinnen, knallrote Tausendfüssler und Flurin entdeckte sogar eine Schlange!
Die Höhle ist riesig: In deren Höhen leben "Swiftlets"-Vögel (das sind Salanganen, also Segler) und Fledermäuse. Der Kot der Fledermäuse und der Swiftlets wird gesammelt und als Guano-Dünger verkauft. Dazu klettern die Sammler an Holzgestellen und Seilen hoch bis und die entlegensten Höhen. Durch das Höhlensystem  mit seinen dunklen Kammern (Taschenlampe empfohlen) führt ein Steg. Diesen darf man jederzeit verlassen und selber forschen gehen. Dafür hatten wir leider etwas wenig Zeit, weil ja unser Taxifahrer wartete...

Mit dem Boot Richtung Niah Caves

Baumriese mit Brettwurzeln
Niah Cave mit Sonnenstrahlen


Zum Flughafen am nächsten Tag gings selbstverständlich mit "unserem" Taxifahrer. Weil wir erfahren haben, dass er Geld aus verschiedenen Ländern sammelt, haben wir ihm eine Schweizer 10er-Note und eine Münze und auch grad noch einen Switzerland-Kugelschreiber geschenkt. Er hat sich sehr gefreut!

Der Flug nach Kota Kinabalu war kurz, keine Stunde. Der Flughafen ist ziemlich viel grösser als in Miri. Und mit dem Taxi zum Hotel waren wir beeindruckt: die Stadt ist riesig, viele Lichter und hoch gebaute Häuser. Überall Touristen. Ich hatte mir bisher angewöhnt freundlich in jedes vorbeifahrende Auto zu lächeln und zu winken. Das interessiert hier überhaupt niemanden. Alle sind beschäftigt und Weisse gewohnt. Obwohl Kuching die Hauptstadt von Sarawak ist, ist sie sehr viel provenzieller als hier die Hauptstadt von Sabah.
Kota Kinabalu: Wurde im 2. Weltkrieg völlig zerbombt


Der Sonntag war unser Markt- und Arzttag. Durch den Sonntagsmarkt (lebende Fische in Plastiksäcken, Hühner, Hunde, Hamster ins kleinsten Käfigen zu kaufen, frische und getrocknete Fische...) schlenderten wir zu einem Arzt. Flurin hatte nun wieder stark Durchfall - unsere Medikamente (Imodium) nützten überhaupt nichts, und er hatte keinen Appetit. In der 24-Stunden-Klinik zieht man an der Theke einen Zettel wie bei uns auf der Post. Oben gibt es eine Anzeige, da wird die Zahl auf dem Zettel einem Arztzimmer zugewiesen. Zuerst wägen und Fieber messen, dann der Untersuch. Am Schluss gab uns die Ärztin andere Medikamente - und seitdem geht es wieder bergauf.
Flurin im Wartezimmer

Am Nachmittag gingen wir ans Meer. Dort war der Essens-Markt, der Souvenir-Markt und der Fisch-Markt. Es stank ziemlich, das Gemisch aus Abwasser, Abfall, Fischen und Hitze war nicht so mein Ding.

Hundewelpen zu verkaufen :-(

Am Abend gings dann noch zum Nachtmarkt. Unglaublich, was für Meeresgetier zu haben ist... Vor Ort wurde gegrillt und gekocht. Nur mit Flurins Beschwerden sind wir nicht mehr so risikofreudig und haben später beim "echten" Italiener (fast zum Schämen...) gegessen.
Es hätte feinen Fisch gegeben ...

... aber für einmal gings zum Italiener

Pulau Manukan

Flurin gings nun wirklich besser und so unternahmen wir am Montag einen Tagesausflug auf eine Insel, die vor Kota Kinabalu liegt (Manukan). Die relativ kleinen Boote haben extrem Kraft und wir preschten übers Meer. Als wir am Steg ausstiegen war alles voller Fische und Quallen. Sogar einen Rochen sahen wir. Die Quallen störten mich und Flurin ein bisschen, Felix und Livio waren mutiger und gingen schnell ins Wasser. Flurin ging später nach und als das Wasser klarer wurde und keine Quallen mehr sichtbar waren, wagte auch ich mich ins warme Wasser. An Land sahen wir noch eine imposante Riesenechse. Diese scheinen so häufig zu sein, dass sie noch niemand erwähnt hat. Obwohl gut gecremt, war es grad eine gute Sonnengewöhnung und bereitete uns etwas auf die kommenden Tage auf Pulau Sibu vor.

Der Tierpark, der auch Orang Utans beheimatet, ist wegen Unterhaltsarbeiten teilweise geschlossen und die Affen sind derweil ausquartiert. Also entschlossen wir uns am Dienstag eine Krokodilfarm zu besuchen. Orgaisierte Touren gab es nur zu horrenden Preisen, also versuchten wir unser Glück auf eigene Faust. Mit Bus  - Umsteigen - Bus sollte das eigentlich machbar sein und Bus fahren wie die Einheimischen gibt einem immer sehr viel Einlick ins alltägliche Leben.
Den Bus haben wir nicht gefunden. Von den korrekt angeschriebenen Bussen haben sie uns immer weggelotst, führten uns zu leeren Kleinbussen und wollten uns überreden diese zu chartern, damit wir nicht warten müssten, bis die Busse voll sind. Wir fanden etwas abseits von den grossen Touristenmassen einen freundlichen Taxifahrer, der uns zu einem vernünftigen Preis hinfuhr, dort wartete und uns wieder nach Hause brachte.
Auf der Farm waren wir die einzigen Besucher. Nach etwa einer halben Stunde kam eine Frau auf uns zu und führte uns den Rest unseres Besuchs von Gehege zu Gehege, wir durften Krokodile und Fische füttern, sie zeigte uns ein Baby-Krokodil und erklärte uns sehr viele interessante Dinge über Krokodile (und Alligatoren). Nur für uns vier (und unseren Taxifahrer) gab es eine Show, bei der der eine "Krokodilbändiger" aufs Krokodil lag, und wir bekamen später noch Krokodilzähne und für Ostern ausgeblasene Krokodileier geschenkt.

Livio mit zweijährigem Krokodil
Flurin füttert Krokodil mit Hühnchen


Am Mittwoch fliegen wir nach Singapore zurück und von dort geht es am Donnerstag auf eine kleine malayische Insel: Pulau Sibu. Auf der Insel gibt es zwei Resorts, eine eigene Wasserquelle, Sandstrand, Schnorchelmöglichkeiten, Kinderunterhaltung, eine Bar, die geöffnet hat, solange man bestellen will (genau für uns, hehehe) - mal sehen, ob wir uns dem Osterweekend-Trubel etwas entziehen können. Internet werden wir dort nicht haben...

Zu Schluss noch dies:




Sonntag, 20. März 2016

Noch ein paar Tage bei den Kelabit in Bario


Hier wie an den meisten Orten im Hochland leben viele pensionierte Kelabit wie Lucy und David. Oder wie Lian, unser Führer nach Pa‘Lungan. Sie haben Ersparnisse (Arbeit bei Regierung oder Ölkonzernen) und bauen hier ihren Alterssitz. Ihre Kinder leben oft in der Stadt. Wer in der Stadt keine Arbeit findet, kommt zurück. Mit eigenem Fischteich (das haben fast alle), ein paar Hühnern, eigenem Reis und den Früchten und Gemüsen aus dem Urwald kann man gut leben.
Sehr früh (2001) hatte Bario Internet, dafür hat sich Lucy als Schulvorsteherin stark gemacht. Zurzeit fehlt aber das Geld für die Verbindung. Es gibt nur noch langsames Internet via einen einzigen Telefonanbieter. Dies aber auch nur, wenn man an der richtigen Stelle steht.
In Bario ist die Schule für alle umliegenden Dörfer stationiert. Weil einige davon weit weg sind und noch nicht alle eine Strasse haben, leben schon die Primarschulkinder für jeweils ein bis drei Wochen intern.
An einem Tag haben wir zwei Velos von Lucy bekommen und zwei Mountainbikes dazu gemietet. So sind wir in der ganzen Ebene von Bario herum gekommen, konnten Dörfer und Longhouses vergleichen. Ausser dass bei meinem Velo das linke Pedal regelmässig abfiel und später der rechte Pedalboden auch nicht mehr hielt, war es eine gute Art die Umgebung zu erkunden.

Penan auf dem Weg zurück in den Dschungel
Auch trafen wir endlich auf die Penan, das Volk, welches halbnomadisch im Dschungel lebt und für welches sich der Schweizer Bruno Manser einsetzte. Wir begegneten drei Penan-Frauen, man erkennt sie daran, dass sie noch immer häufig barfuss laufen. Beim letzten Dorf sind sie auf einem Fusspfad im Dschungel verschwunden. Wir haben uns später erkundigt: sieben Kilometer weiter liegt ihr Dorf – sie haben in Bario eingekauft.
Am zweitletzten Abend wurde Flurin leider ein bisschen krank, Magenprobleme. Nun haben er und ich (Rahel) eine Abendunterhaltung und einen Ausflug zu den Salzquellen verpasst.
Deshalb folgen ein paar Zeilen von Felix:
Die Abendunterhaltung bestand aus traditionellen Volkstänzen und wurde im Gemeinschaftsbereich des Longhouses zu Ehren von (malaysisch-)chinesischen Investoren abgehalten, die hier zu Besuch waren (!!!). Ihr zweitägiger Besuch setzte das ganze Tal und insbesondere Lucy in helle Aufregung. Lucy begrüsste den Besuch nicht sonderlich, hatte aber dafür zu sorgen, dass ihnen rund um die Uhr ein Programm geboten wurde. Immerhin wurde der Besuch von Seiten der Regierung organisiert, und man wollte eine gute Falle machen. Weil wir teils miteingeladen wurden, kamen wir (sprich v.a. Felix und Livio) in den Genuss von speziellem Essen (Dschungelfleisch – wir hätten auch verzichten können) und der besagten Abendunterhaltung. Alle Bewohner des Longhouses fanden sich dazu ein – ein interessanter Anlass! Es gab Ansprachen, verschiedene traditionelle Tänze, bei denen wir am Ende miteinbezogen wurden und am Schluss einen Ananas-Drink.
Kelabit-Frauen beim Gesang
Livio beim Kelabit-Tanz
Die Chinesen waren leider während einer Nacht in unserem Longhouse untergebracht. Sie rauchten allerhand Rauchbares und schnarchten aus allen Zimmern und teils aus der Polstergruppe im gemeinsamen Gang (dabei hatten sie zuvor nach Einzelzimmern verlangt!). Flurin rächte sich, indem er nachts stöhnend und halb erbrechend zweimal durch den Gang stolperte und Chinesen aufweckte.
Aber es scheint nun alles schon wieder besser zu sein, zum Glück! Immerhin müssen wir morgen alle reisefähig sein – es geht wieder zurück nach Miri und dann weiter nach Kota Kinabalu in Sabah.

Freitag, 18. März 2016

Ausflug ins Dschungeldorf Pa' Lungan



Die ersten zwei Tage in der Hochebene waren Klimagewöhnung. Wir suchten einen Aussichtspunkt für den ersten Überblick und unternahmen Rundgänge in der Ebene, vorbei an Primar- und Sekundarschule. Wir kamen in Kontakt mit einer Frau mit den traditionellen „Long-Ears“: Die Ohrläppchen hängen fast bis zu den Schultern, weil sie mit schwerem Ohrschmuck behangen sind.

Die Longhouses hier sind ein bisschen anders als jene, die wir bereits von unserem Führer Desmond kannten: Vom Hauptgang aus gelangt man in die Schlafräume. Auf der anderen Seite, hinter den Schlafräumen, sind die Küchen nicht voneinander abgetrennt. Es hat wie ein Art zweiten langen Gang, wo alle ihre Feuerstelle haben.

Am dritten Tag dann unternahmen wir einen Marsch ins Nachbardorf. Lian, unser Führer, bereitete uns zuerst in einem Briefing auf alle Widrigkeiten vor: ganze Wegabschnitte im Schlamm, wo wir vielleicht bis zu den Knien einsinken, wo wir vielleicht besser die Schuhe ausziehen, allerdings würden vielleicht noch rostige Nägel von alten Brücken oder spitzige Wurzelteile im Boden stecken. Dazu viele Blutegel auf dem Weg, die uns anspringen und Gräser, die uns die Arme zerschneiden. Also montierten wir trotz Hitze unsere Langarmshirts und packten unsere Anti-Egel-Socken in den Rucksack.
Vorweg: es war zum Glück überhaupt nicht schlimm, abgesehen von sehr lästigen Wespen. Das Wetter war schon seit ein paar Tagen so trocken, dass wir keine Blutegel sahen, alle Schlammstellen hatten rudimentäre Brücken mit noch rudimentäreren Geländer (wobei diese zum Teil von roten unangenehmen Ameisen bewohnt waren, es empfahl sich zu balancieren) und Lian schnitt uns mit seiner Machete den Weg durchs meterhohe Gras und Gestrüpp frei und zeigte uns viele Pflanzen. Erst seit einem Jahr gibt es eine Naturstrasse in dieses Dorf, was wir erst hier überhaupt erfahren haben. Und sofort wird der Dschungelweg kaum mehr gebraucht. Wieso diese Mühe auf sich nehmen, wenn man doch auch mit dem Auto fahren kann?
Führer Lian schlägt mit der Machete den Weg frei

Nach fast fünfstündigem Marsch gelangten wir nach Pa' Lungan, ein Dorf mitten im Dschungel. Das Dorf hat etwa 100 Einwohner, die Häuser sind einfacher als in Bario und rund um einen „Fussballplatz“ angelegt. Es ist ein lauschiger Platz, Autos sahen wir trotz der Strasse keine.
Supang und ihr Mann empfingen uns herzlich. Wir bezogen einen Raum, wo wir drei Matratzen für uns vier zusammenschieben konnten. Wir hatten nur zwei Seidenschlafsäcke mitgenommen, aber wir mussten Prioritäten setzen, schliesslich haben wir alles mitgetragen… Es war schon etwas schmuddelig (es gibt ja keine Waschmaschinen…), ich entschloss mich jedenfalls in den Kleidern (Hosen) zu schlafen. 
Typische Toilette im Longhouse

Später gegen Abend hat uns Lian durchs Dorf geführt. Es gibt antike Dolmen, deren Herkunft ungeklärt ist, und eine fertige Solarstromanlage. Die Leitungen zu allen Häusern sind gelegt. Was fehlt sind allerdings die letzten hundert Meter von der Anlage zum ersten Strommast, wahrscheinlich hatten sie grad keine Kabel mehr….
Strom vom Generator gibt’s von Dunkelheit-Beginn bis 23h. Also besser in der Nacht nicht aufs WC müssen… Es ist ziemlich kalt, viel kälter als in Bario und wir waren froh um die Wolldecken. Am frühen Morgen weckten uns die vielen Kikerikis.
Das Essen war sehr fein. Ich liebe Farn und wilde Spargeln, Früchte sowieso. Nebst Mango und Ananas gabs eine Frucht, welche stark an sauer-süsse Haribo-Gummibärchen erinnert, einfach saftiger. Weiter gab es Reis und frittierte Fische -  Flurin hat das 10cm-Fischlein ganz mutig samt  Kopf gegessen!

Flurin isst Fischchen
Auch der Sonntagszmorge war super: Schoko-Muffins, eine frittierte Kugel (Geschmack ähnlich einem Donut), Ananas, Ei, Pancakes. Lian hält nicht viel von der Sonntagskirche. So machten wir uns auf zum Prayer Mountain (hihi). Ziemlich steile Sache, aber der Rundumblick war fantastisch. Leider konnten wir nicht bis Bario sehen, da liegt ein weiterer Berg dazwischen. Rundum Urwald, in der Nähe schon die Grenze zu Indonesien. 
Auf dem Prayer Mountain, links unser Dorf

Nach einem extrem feinen Gemüse-Reis nahmen wir den Rückweg in Angriff. Ich habe doch eigentlich das Gefühl eine gute Orientierung zu haben, sich hier aber an den Ablauf all dieser Anhöhen und Senken, all der unzähligen Farnflächen, Dschungelstrecken oder Brückchen zu merken ist mir nicht gelungen.
Mein Gefühl, dass Lian immer schneller läuft hat mich wohl nicht getäuscht: Gerade als wir unser Ziel bei Lucy erreicht hatten, begann es zu regnen!!! (Die Blutegel, die bei solchen Wetter wieder hervorkommen, lagen schon hinter uns...)
Wahrscheinlich haben wir dort oben, mitten im Dschungel noch einen kleinen Rest Unberührtheit erlebt. Mit der Strasse, mit dem Strom kommen die Annehmlichkeiten, aber es kann auch viel kaputt gehen. Hoffen wir auf die sanfte Entwicklung dieses schönen Ortes!