Freitag, 18. März 2016

Ein Tag mit Desmond



Unser Führer (Desmond) zum Longhouse in Mongkos war ein Glücksgriff. Er ist im ethnologischen Museum der Stadt angestellt. Drei Tage muss er dort sein, die anderen Tage ist er von der Regierung beauftragt, ein Buch über alle aktuellen Urwaldstämme zu schreiben. Dazu muss er Forschungen anstellen und die Völker besuchen.  Er hat vor über 20 Jahren Bruno Manser getroffen und ihm auf der grossen Karte im Museum das Verbreitungsgebiet der Penan und den Weg dorthin aufgezeigt.
Desmond hat uns zu einem chinesischen Friedhof geführt, was sehr speziell ist, da Chinesen eigentlich keine Gräber haben, sondern die Kremation kennen. Er hat uns Kakao-, Palmöl- und Pfefferplantagen gezeigt. 
Livio isst Kakao

Er hat uns Blumen und die insektenfressenden Orchideen gezeigt. Er hat uns zu einem Markt geführt, uns die Früchte erklärt, die wir nicht erkannt haben und uns extreeem saure Früchte probieren lassen, so dass alle umstehenden Markthändler uns ausgelacht haben.
Schliesslich gelangten wir zum Longhouse, welches sehr ursprünglich ist. Desmond ist gelegentlich dort, um mit den alten Leuten zu sprechen, die oral history zu ergründen. Ab und zu bringt er Touristen mit.
Dieses Longhouse ist etwa 200 Meter lang. Es ist auf Stelzen gebaut, was von unten lüftet, den Hühnern und Schweinen den runtergefallenen Abfall als Essen liefert und vor unerwünschten Tieren wie Schlangen schützt. Es hat einen langen Gang, den man alle paar Meter durch eine Aussentreppe erreicht. Oben an der Treppe zieht man die Schuhe aus. Von diesem Gang aus geht es in die verschiedenen Wohnungen, welche von aussen alle gleich aufgebaut, aber durch Wände voneinander getrennt sind: Man tritt ins Schlafzimmer, dort lehnen Matratzen an den Wänden. Weiter geht es durch ein Aufbewahrungszimmer und von dort die Treppe runter in die Küche. Wenn man aus der Küche tritt, gelangt man in den Garten, zu den Tierbehausungen und schliesslich in den Urwald.
Innen ist die Ausstattung sehr verschieden, von praktisch unmöbliert bis zu recht vornehmen Möbel, von Wasserstelle, die als Küche und als Bad dienen bis zum schön abgeschlossenen WC, von oben beschriebenen Räumen bis zu mehreren durch Treppe und Wände verwinkelten Räumen.

Rechts geht es zu den verschiedenen Wohnungen
Flurin verteilt Geschenke und Livio wird von Frau "gepackt"

Es leben heute fast 50 Familien und etwa 400 Leute in diesem Longhouse. Aussen an der Tür steht für den Arzt und die Behörden geschrieben, wie viele Leute in einem Abteil wohnen. Die Behörden sind da aber vor allem für Gesundheit zuständig, es sind zum Beispiel alle Kinder geimpft und werden regelmässig untersucht.
Damit wir als Besucher akzeptiert sind, haben wir für die Bewohner des Longhouses Geschenke mitgebracht, welche einen Nutzen bringen – wobei uns Desmond bei der Beschaffung sehr behilflich war: Schreibzeug, Notizblöcke, Zahnbürsten und Waffeln.  Flurin ist derjenige, der sie eifrig verteilt. Die Bewohner sitzen im gemeinschaftlichen Gang, wechseln mit dem Führer ein paar Worte (er spricht dieselbe Sprache)  und stellen immer wieder die Frage, ob die Kinder Zwillinge sind, wie alt sie seien und warum sie nicht in die Schule müssten. Die Bewohner gehören zu den Bidayuh – einer Ethnie unmittelbar an der Grenze zu Indonesien. Die alten Frauen sind zum Teil unglaublich zierlich und klein – teils unter 1.35m, das heisst kleiner als Flurin und Livio.

Auf dem Rückweg haben wir einen Halt für die besten frittierten Bananen und einen Kaffee gemacht. Es war ein chinesischer Kaffee, aber das Gebräu war super nach den paar Tagen ohne Kaffee!
Am nächsten Tag ging es mit dem Flugzeug weiter nach Miri, wobei die Fahrt zum Flughafen nicht ganz ohne  Ärger vonstatten ging – Fortsetzung folgt.

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