Unser Führer (Desmond) zum
Longhouse in Mongkos war ein Glücksgriff. Er ist im ethnologischen Museum der
Stadt angestellt. Drei Tage muss er dort sein, die anderen Tage ist er von der
Regierung beauftragt, ein Buch über alle aktuellen Urwaldstämme zu schreiben.
Dazu muss er Forschungen anstellen und die Völker besuchen. Er hat vor über 20 Jahren Bruno Manser getroffen
und ihm auf der grossen Karte im Museum das Verbreitungsgebiet der Penan und
den Weg dorthin aufgezeigt.
Desmond hat uns zu einem
chinesischen Friedhof geführt, was sehr speziell ist, da Chinesen eigentlich
keine Gräber haben, sondern die Kremation kennen. Er hat uns Kakao-, Palmöl-
und Pfefferplantagen gezeigt.
| Livio isst Kakao |
Er hat uns Blumen und die insektenfressenden
Orchideen gezeigt. Er hat uns zu einem Markt geführt, uns die Früchte erklärt,
die wir nicht erkannt haben und uns extreeem saure Früchte probieren lassen, so
dass alle umstehenden Markthändler uns ausgelacht haben.
Schliesslich gelangten wir zum
Longhouse, welches sehr ursprünglich ist. Desmond ist gelegentlich dort, um mit
den alten Leuten zu sprechen, die oral history zu ergründen. Ab und zu bringt
er Touristen mit.
Innen ist die Ausstattung sehr
verschieden, von praktisch unmöbliert bis zu recht vornehmen Möbel, von
Wasserstelle, die als Küche und als Bad dienen bis zum schön abgeschlossenen
WC, von oben beschriebenen Räumen bis zu mehreren durch Treppe und Wände
verwinkelten Räumen.
| Rechts geht es zu den verschiedenen Wohnungen |
| Flurin verteilt Geschenke und Livio wird von Frau "gepackt" |
Es leben heute fast 50 Familien und
etwa 400 Leute in diesem Longhouse. Aussen an der Tür steht für den Arzt und
die Behörden geschrieben, wie viele Leute in einem Abteil wohnen. Die Behörden
sind da aber vor allem für Gesundheit zuständig, es sind zum Beispiel alle
Kinder geimpft und werden regelmässig untersucht.
Damit wir als Besucher akzeptiert
sind, haben wir für die Bewohner des Longhouses Geschenke mitgebracht, welche
einen Nutzen bringen – wobei uns Desmond bei der Beschaffung sehr behilflich
war: Schreibzeug, Notizblöcke, Zahnbürsten und Waffeln. Flurin ist derjenige, der sie eifrig
verteilt. Die Bewohner sitzen im gemeinschaftlichen Gang, wechseln mit dem
Führer ein paar Worte (er spricht dieselbe Sprache) und stellen immer wieder die Frage, ob die
Kinder Zwillinge sind, wie alt sie seien und warum sie nicht in die Schule müssten.
Die Bewohner gehören zu den Bidayuh – einer Ethnie unmittelbar an der Grenze zu
Indonesien. Die alten Frauen sind zum Teil unglaublich zierlich und klein –
teils unter 1.35m, das heisst kleiner als Flurin und Livio.
Auf dem Rückweg haben wir einen
Halt für die besten frittierten Bananen und einen Kaffee gemacht. Es war ein
chinesischer Kaffee, aber das Gebräu war super nach den paar Tagen ohne Kaffee!
Am nächsten Tag ging es mit dem
Flugzeug weiter nach Miri, wobei die Fahrt zum Flughafen nicht ganz ohne Ärger vonstatten ging – Fortsetzung folgt.
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