Freitag, 18. März 2016

Via Miri ins Hochland nach Bario



Und dann hatten wir doch noch eine Auseinandersetzung mit einem Taxifahrer: Um an den Flughafen von Kuching zu gelangen, bestellten wir das Taxi auf Anraten des Rezeptionisten auf 6h früh (statt 5.30h wie ursprünglich geplant). Dann endet der Nachttarif, der fast doppelt so teuer ist. Der Fahrer war etwa fünf Minuten vorher da, seine Uhr im Taxi war zurück gestellt und er raste wie ein Irrer zum Flughafen. Ihr ahnt es: Dort angelangt verlangte er den Nachttarif und gab sich mit den ausgehändigten 30 Ringgit nicht zufrieden … Natürlich gab Felix nicht klein bei, Taxifahrer und Felix diskutierten, der Taxifahrer wandte sich ans Sicherheitspersonal des Flughafens, dem Taxifahrer war es sichtlich unangenehm, als Felix beschrieb, mit welcher Geschwindigkeit er gerast war. Die Sicherheitsleute schwiegen betreten, und als der Fahrer das Geld abermals nicht annahm (weil er den Zuschlag wollte), hatten wir genügend Zeugen und verschwanden mit allem Geld durch den Gepäck-Röntgen. Im letzten Moment kam er hinterher und nahm das Geld vom normalen Tarif doch noch an. Taxifahrer…
In Miri hatten wir ein super Hotel: noch sehr neu, sehr gepflegt mit gutem Morgenbuffet (auch für europäische Gewohneiten), sehr geräumig, sehr funktional und eine Dusche wie wir sie auch kennen. Miri selber ist kleiner als Kuching, stickiger und stinkiger, obwohl die Stadt durch das Erdöl und den Holzhandel sehr viele reiche Bewohner hat, was man an den Villen und den Autos sieht. Wir haben auch das Gefühl, dass es etwas unsicherer ist mit etwas dubiosen Gestalten, aber das liegt wohl daran, dass abends um 18.30 Uhr bereits alles geschlossen und dunkel ist. Am Nachmittag waren wir auf dem Markt, wo wir viele feine Früchte zum Zmittag-Zvieri kauften.
Schon am nächsten Morgen ging es weiter nach Bario, ins Hochland (1500 M. ü. M.) zu den Kelabit. Die Kelabit sind eine Ethnie mit eigener Sprache und nur wenigen tausend Menschen. Sie sind sehr gebildet und entwickelt, u.a. weil sie seit bereits 60 Jahren eine Schule haben. Hier wollen wir eine Woche bleiben. Mit einem kleinen Propellerflugzeug, das laut dröhnte flogen wir eine knappe Stunde Richtung Urwald. Zuerst sahen wir das Ausmass all dieser Palmöl-Plantagen. Zum Teil soweit das Auge reicht. Dann sah man das Labyrinth aller Verbindungsstrassen zu kleinen Dörfern, aber vor allem zu Abbau-Orten (Holz oder ev. auch Bodenschätze). Die Strassen wurden weniger, der Dschungel nahm Überhand, es wurde gebirgiger, der Flug unruhiger und bald sah man die Hochebene und das Flugfeld vor uns. Unser Gepäck nahmen wir direkt neben dem Flugzeug gleich selbst in Empfang und marschierten die paar Schritte zum Flughafen-Häuschen. Lucy holte uns ab und brachte uns in ihren Homestay.

Unser Haus
Unsere Lodge ist im Longhouse-Stil gebaut. Das ebenerdige Geschoss (etwa 30 Meter lang) ist ausgebaut und dient als Werkstatt, Wäscheraum, Konferenzzimmer. Im Obergeschoss dient der typisch lange Gang der Allgemeinheit, von dort aus gelangt man nicht in einzelne „Wohnungen“, die in eine Küche münden, sondern in die „Gästezimmer“. Lucy und David haben fünf Kinder, von denen mindestens vier nicht mehr im Hochland wohnen. In der Zeit, in der keine Ferien sind, bieten sie die leeren Räume Touristen an.

Lucy und David sind sehr interessante Leute. Sie sind „pensioniert“, hier aufgewachsen und gehören zur ersten Generation, die eine Schulbildung hatten. Wenn man nur schon Davids Erzählungen lauscht, wie abenteuerlich es war überhaupt zur Schule und dann zu weiterführenden Schulen und Unis zu gelangen… wochenlange Fussmärsche durch den Urwald – fast nicht vorstellbar.
Seit letzter Weihnacht gibt es durchgehend Strom. Lucy und David hatten zwar schon länger Solarzellen, aber seit kurzer Zeit können die Gäste hier ohne schlechtes Gewissen ihre elektronischen Geräte aufladen. Und selbstverständlich läuft seitdem der Fernseher praktisch ohne Unterbruch.
Es gibt zwar fliessend Wasser – manchmal auch nicht – aber keine Dusche. Die Dusche ist ein Wasserbecken mit Wasserschaufel. Es gibt WCs, deren Spülung aber häufig grad nicht funktioniert, dann muss man Wasser nachschöpfen.
Ein Longhouse betritt man immer barfuss, das wussten wir schon. Wenn man von dort ins WC tritt, zieht man dazu die dafür bereit liegenden Flipflops an.
Wir haben zwei Zimmer, ausgestattet mit zwei Betten, einem kleinen Tisch, einem Plastikstuhl und einem rudimentären Gestell. Ablagefläche gibt es an den Querbalken der Holzwand, dort sind auch einige Nägel eingeschlagen, an denen ein Spiegel und Kleiderbügel hängt.
Es ist sehr ringhörig, und weil draussen dieser allgemeine Gang ist und vor unserem Zimmer direkt der Fernseher steht missen wir schon die Privatsphäre. 
Dazu war die fünfjährige Grosstochter Emma sehr auf unsere Jungs fixiert, so dass wir kaum ein Spiel spielen konnten ohne dass sie auf uns herumturnte, was für eine ganze Woche etwas anstrengend wurde.

Anmerkung von Felix: Emma ist eigentlich ein aufgewecktes Mädchen, die Enkelin von Lucy, und sie ist mit ihrer (anderen) chinesischen Grossmutter aus Sabah hier in den Ferien. Die Mahlzeiten nimmt sie nicht mit uns am Tisch ein, sondern sie wird von der chinesischen Grossmutter dreimal täglich gefüttert, während sie vor dem Fernseher sitzt. Sie sitzt auch sonst gerne vor dem Fernseher und schläft dort meist gegen 23 Uhr ein. Gelegentlich spielen Livio und Flurin mit ihr - es bleibt ihnen nichts anderes übrig ...
Emma wurde mit einer Geschichte vom Fernseher weggelockt...

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