Sonntag, 20. März 2016

Noch ein paar Tage bei den Kelabit in Bario


Hier wie an den meisten Orten im Hochland leben viele pensionierte Kelabit wie Lucy und David. Oder wie Lian, unser Führer nach Pa‘Lungan. Sie haben Ersparnisse (Arbeit bei Regierung oder Ölkonzernen) und bauen hier ihren Alterssitz. Ihre Kinder leben oft in der Stadt. Wer in der Stadt keine Arbeit findet, kommt zurück. Mit eigenem Fischteich (das haben fast alle), ein paar Hühnern, eigenem Reis und den Früchten und Gemüsen aus dem Urwald kann man gut leben.
Sehr früh (2001) hatte Bario Internet, dafür hat sich Lucy als Schulvorsteherin stark gemacht. Zurzeit fehlt aber das Geld für die Verbindung. Es gibt nur noch langsames Internet via einen einzigen Telefonanbieter. Dies aber auch nur, wenn man an der richtigen Stelle steht.
In Bario ist die Schule für alle umliegenden Dörfer stationiert. Weil einige davon weit weg sind und noch nicht alle eine Strasse haben, leben schon die Primarschulkinder für jeweils ein bis drei Wochen intern.
An einem Tag haben wir zwei Velos von Lucy bekommen und zwei Mountainbikes dazu gemietet. So sind wir in der ganzen Ebene von Bario herum gekommen, konnten Dörfer und Longhouses vergleichen. Ausser dass bei meinem Velo das linke Pedal regelmässig abfiel und später der rechte Pedalboden auch nicht mehr hielt, war es eine gute Art die Umgebung zu erkunden.

Penan auf dem Weg zurück in den Dschungel
Auch trafen wir endlich auf die Penan, das Volk, welches halbnomadisch im Dschungel lebt und für welches sich der Schweizer Bruno Manser einsetzte. Wir begegneten drei Penan-Frauen, man erkennt sie daran, dass sie noch immer häufig barfuss laufen. Beim letzten Dorf sind sie auf einem Fusspfad im Dschungel verschwunden. Wir haben uns später erkundigt: sieben Kilometer weiter liegt ihr Dorf – sie haben in Bario eingekauft.
Am zweitletzten Abend wurde Flurin leider ein bisschen krank, Magenprobleme. Nun haben er und ich (Rahel) eine Abendunterhaltung und einen Ausflug zu den Salzquellen verpasst.
Deshalb folgen ein paar Zeilen von Felix:
Die Abendunterhaltung bestand aus traditionellen Volkstänzen und wurde im Gemeinschaftsbereich des Longhouses zu Ehren von (malaysisch-)chinesischen Investoren abgehalten, die hier zu Besuch waren (!!!). Ihr zweitägiger Besuch setzte das ganze Tal und insbesondere Lucy in helle Aufregung. Lucy begrüsste den Besuch nicht sonderlich, hatte aber dafür zu sorgen, dass ihnen rund um die Uhr ein Programm geboten wurde. Immerhin wurde der Besuch von Seiten der Regierung organisiert, und man wollte eine gute Falle machen. Weil wir teils miteingeladen wurden, kamen wir (sprich v.a. Felix und Livio) in den Genuss von speziellem Essen (Dschungelfleisch – wir hätten auch verzichten können) und der besagten Abendunterhaltung. Alle Bewohner des Longhouses fanden sich dazu ein – ein interessanter Anlass! Es gab Ansprachen, verschiedene traditionelle Tänze, bei denen wir am Ende miteinbezogen wurden und am Schluss einen Ananas-Drink.
Kelabit-Frauen beim Gesang
Livio beim Kelabit-Tanz
Die Chinesen waren leider während einer Nacht in unserem Longhouse untergebracht. Sie rauchten allerhand Rauchbares und schnarchten aus allen Zimmern und teils aus der Polstergruppe im gemeinsamen Gang (dabei hatten sie zuvor nach Einzelzimmern verlangt!). Flurin rächte sich, indem er nachts stöhnend und halb erbrechend zweimal durch den Gang stolperte und Chinesen aufweckte.
Aber es scheint nun alles schon wieder besser zu sein, zum Glück! Immerhin müssen wir morgen alle reisefähig sein – es geht wieder zurück nach Miri und dann weiter nach Kota Kinabalu in Sabah.

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