Die ersten zwei Tage in der Hochebene waren Klimagewöhnung. Wir
suchten einen Aussichtspunkt für den ersten Überblick und unternahmen Rundgänge
in der Ebene, vorbei an Primar- und Sekundarschule. Wir kamen in Kontakt mit
einer Frau mit den traditionellen „Long-Ears“: Die Ohrläppchen hängen fast bis
zu den Schultern, weil sie mit schwerem Ohrschmuck behangen sind.
Die Longhouses hier sind ein bisschen anders als jene, die
wir bereits von unserem Führer Desmond kannten: Vom Hauptgang aus gelangt man in
die Schlafräume. Auf der anderen Seite, hinter den Schlafräumen, sind die
Küchen nicht voneinander abgetrennt. Es hat wie ein Art zweiten langen Gang, wo
alle ihre Feuerstelle haben.
Am dritten Tag dann unternahmen wir einen Marsch ins
Nachbardorf. Lian, unser Führer, bereitete uns zuerst in einem Briefing auf
alle Widrigkeiten vor: ganze Wegabschnitte im Schlamm, wo wir vielleicht bis zu
den Knien einsinken, wo wir vielleicht besser die Schuhe ausziehen, allerdings würden
vielleicht noch rostige Nägel von alten Brücken oder spitzige Wurzelteile im
Boden stecken. Dazu viele Blutegel auf dem Weg, die uns anspringen und Gräser,
die uns die Arme zerschneiden. Also montierten wir trotz Hitze unsere
Langarmshirts und packten unsere Anti-Egel-Socken in den Rucksack.
Vorweg: es war zum Glück überhaupt nicht schlimm, abgesehen
von sehr lästigen Wespen. Das Wetter war schon seit ein paar Tagen so trocken,
dass wir keine Blutegel sahen, alle Schlammstellen hatten rudimentäre Brücken
mit noch rudimentäreren Geländer (wobei diese zum Teil von roten unangenehmen
Ameisen bewohnt waren, es empfahl sich zu balancieren) und Lian schnitt uns mit
seiner Machete den Weg durchs meterhohe Gras und Gestrüpp frei und zeigte uns
viele Pflanzen. Erst seit einem Jahr gibt es eine Naturstrasse in dieses Dorf,
was wir erst hier überhaupt erfahren haben. Und sofort wird der Dschungelweg
kaum mehr gebraucht. Wieso diese Mühe auf sich nehmen, wenn man doch auch mit
dem Auto fahren kann?
| Führer Lian schlägt mit der Machete den Weg frei |
Nach fast fünfstündigem Marsch gelangten wir nach Pa' Lungan,
ein Dorf mitten im Dschungel. Das Dorf hat etwa 100 Einwohner, die Häuser sind einfacher
als in Bario und rund um einen „Fussballplatz“ angelegt. Es ist ein lauschiger
Platz, Autos sahen wir trotz der Strasse keine.
Supang und ihr Mann empfingen uns herzlich. Wir bezogen
einen Raum, wo wir drei Matratzen für uns vier zusammenschieben konnten. Wir
hatten nur zwei Seidenschlafsäcke mitgenommen, aber wir mussten Prioritäten
setzen, schliesslich haben wir alles mitgetragen… Es war schon etwas
schmuddelig (es gibt ja keine Waschmaschinen…), ich entschloss mich jedenfalls
in den Kleidern (Hosen) zu schlafen.
| Typische Toilette im Longhouse |
Später gegen Abend hat uns Lian durchs Dorf geführt. Es gibt
antike Dolmen, deren Herkunft ungeklärt ist, und eine fertige Solarstromanlage.
Die Leitungen zu allen Häusern sind gelegt. Was fehlt sind allerdings die
letzten hundert Meter von der Anlage zum ersten Strommast, wahrscheinlich hatten
sie grad keine Kabel mehr….
Strom vom Generator gibt’s von Dunkelheit-Beginn bis 23h.
Also besser in der Nacht nicht aufs WC müssen… Es ist ziemlich kalt, viel
kälter als in Bario und wir waren froh um die Wolldecken. Am frühen Morgen
weckten uns die vielen Kikerikis.
Das Essen war sehr fein. Ich liebe Farn und wilde Spargeln,
Früchte sowieso. Nebst Mango und Ananas gabs eine Frucht, welche stark an
sauer-süsse Haribo-Gummibärchen erinnert, einfach saftiger. Weiter gab es Reis
und frittierte Fische - Flurin hat das
10cm-Fischlein ganz mutig samt Kopf
gegessen!
![]() |
| Flurin isst Fischchen |
Auch der Sonntagszmorge war super: Schoko-Muffins, eine
frittierte Kugel (Geschmack ähnlich einem Donut), Ananas, Ei, Pancakes. Lian
hält nicht viel von der Sonntagskirche. So machten wir uns auf zum Prayer
Mountain (hihi). Ziemlich steile Sache, aber der Rundumblick war fantastisch.
Leider konnten wir nicht bis Bario sehen, da liegt ein weiterer Berg
dazwischen. Rundum Urwald, in der Nähe schon die Grenze zu Indonesien.
| Auf dem Prayer Mountain, links unser Dorf |
Nach einem extrem feinen Gemüse-Reis nahmen wir den Rückweg
in Angriff. Ich habe doch eigentlich das Gefühl eine gute Orientierung zu
haben, sich hier aber an den Ablauf all dieser Anhöhen und Senken, all der
unzähligen Farnflächen, Dschungelstrecken oder Brückchen zu merken ist mir
nicht gelungen.
Mein Gefühl, dass Lian immer schneller läuft hat mich wohl
nicht getäuscht: Gerade als wir unser Ziel bei Lucy erreicht hatten, begann es
zu regnen!!! (Die Blutegel, die bei solchen Wetter wieder hervorkommen, lagen
schon hinter uns...)
Wahrscheinlich haben wir dort oben, mitten im Dschungel noch
einen kleinen Rest Unberührtheit erlebt. Mit der Strasse, mit dem Strom kommen
die Annehmlichkeiten, aber es kann auch viel kaputt gehen. Hoffen wir auf die
sanfte Entwicklung dieses schönen Ortes!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen